D-ETUI in Lübeck (EDHL) / Germany

PHOTO-GALLERY: D-ETUI, ex N36894

Die N36894, so das US-Amerikanische Kennzeichen vor der D-Registrierung, ist am 27.11.1941 als 65 CA fertig gestellt worden. Damals wie heute ist das Herz der UI ein Continental A65-8 welches ein Sensenich Holz Propeller dreht. Aufgeliefert und zum ersten Mal flügge wurde die UI im gleichen Design wie sie heute aussieht -Schema A- gelb mit einem schwarzen Streifen. Ein Streifen mehr und eine dritte Farbe hätte damals immerhin 5 $ Aufpreis gekostet. Leider ( oft auch zum Glück ) können Flieger aus ihrem bisherigem Leben nichts erzählen. Dafür gibt es in den USA die FAA. Alle großen Reperaturen und Änderungen schlummern in Form von Kopien der sogenannten 337-forms microverfilmt in Archiven. Dank eines nicht so übertriebenen Datenschutzgesetzes lassen sich auch alle vorherigen Halter bestimmen. Doch fangen wir in Deutschland im Sommer 1992 an. Von Bremerhaven nach Hartenholm per LKW stand die N36894 vor meinem neu angemieteten Hangar. Um die Kosten des Transportes so gering wie nur möglich zu halten haben Michaels neue Stearman und mein neues Spielzeug sich den Container geteilt. Überhaupt Michael: Irgendwann fragte ich ihm nach den Preisen für eine Piper J3C in den Staaten. Die Preise die mein Ohr aufnehmen mußten lagen eindeutig über meinem Budget. Vor dieser Frage waren alle Bemühungen meinerseits fehl geschlagen mit auf Hänschens J3 fliegen zu dürfen. Welchen Anlaß sollte Hänschen auch haben einen Fluggerätmechanikerazubi seinen Flieger anzuvertauen. Später sollte ich noch Gelegenheit bekommen Hanschens J3 zu fliegen. Die J3 hatte gerade mal 20 Stunden nach einer kompletten Überholung in den USA geflogen, der Zustand war besser als neu. Zurück zum Thema Aeronca. Für Michael, einen Flugzeughändler vor den Toren Hamburgs lebend, hatte ich schon viel gearbeitet. Michael wäre nicht Michael gewesen wenn er für mein “Problem” nicht eine Lösung gehabt hätte. Warum eine überteuert in den USA gehandelte J3 kaufen wenn´s doch vergleichbare Flieger wesentlich günstiger gibt. Eine Aeronca? Nie gehört..... . Nachdem ich mir Tanjas Aeronca in Oldenburg-Hatten angeguckt hatte war ich überzeugt und beauftragte Michael mir ein Flugzeug in den USA zu suchen und nach Deutschland zu schaffen. Nachdem Terry, Michaels amerikanischer Partner, drei Aeroncas begutachtet hatte sollte es die Vierte dann endlich sein. Nach jeder begutachteten Aeronca kam übrigens eine ausführliche Fotodokumentation samt beratender Kommentare. Ein Deal zwischen Michael und mir sah vor nach dem Eintreffen des Containers erst die Stearman zusammen zu bauen und dann erst meinen gelben Schatz. Dafür war Michaels Arbeit ein Freundschaftsdienst. Nun war er da, der Container.

 

Das eingespielte Team, wir hatten vorher schon u.a. fünf Stearmen flügge gemacht, von George, Michael und mir stand bereit. Eineinhalb Tage später konnte ich mich endlich meiner Aeronca zuwenden während Michael über mir die ersten Loops flog. Eine besondere Landung sollte genau diese nagelneue Stearman mit ihrem späteren Käufer erleben, doch davon später mehr. Nach ein paar Tagen war dann auch mein Flieger flugfertig. Stefan war bereit die Aeronca einzufliegen und mir später eine Einweisung zu verpassen. Obwohl ich den PPL A auf den üblichen Blechfliegern absolvierte hatte ich dank meiner mehreren hundert Stunden Motorseglererfahrung keine Probleme mit dem Spornradflieger. Man sollte aber auch erwähnen daß die Aeronca ein äußerst zames Spornradflugzeug ist. Mit der Stearman hatte ich später mehr “Probleme”. Unzählig schöne Flüge mit der N36894, später dann D-ETUI sollten folgen. Von den beeindruckenden und fliegerfreundlichen Dänemark bis über Belgien haben die bärenstarken 65 PS die Aeronca 65 CA “Chief” zuverlässigst in den Lüften gehalten. Im ersten Winter erfolgte die Restaurierung des Interiors und der Einbau eines Funkgerätes.Vorher bin ich mit einem Akku und ICOM geflogen. Ging auch ganz gut. Mit dem Einbau des Funkgerätes, eines ACL und dem Wechsel des vorhandenen Metallpropellers auf den originalen Sensenich Holzpropeller waren dann auch die Voraussetzungen für die spätere D-Registrierung gegeben. Nachdem der Flieger mit dem neuen Propeller nun dem Deutschem Gerätekennblatt entsprach galt es die Lärmhürde zu nehmen. Lärmvermessen war nur die Aeronca 65 C. Der Unterschied zwischen der Aeronca 65 C und der CA sind im wesentlichen ein um ca. 50 kg erhöhtes maximales Abfluggewicht. Das LBA verzichtete nach einer Anfrage meinerseits auf eine erneute Lärmmessung. Ich hatte in Meßflügen “nur” nachzuweisen und später rechnerisch zu beweisen, daß die CA sich innerhalb bestimmter Grenzen bezüglich Startstrecke und Steigleistung nicht gravierend anders verhält als die 65 C. Seit meinem Abitur hatte ich nicht mehr so viel gerechnet! Als Kennzeichen sollte es dann mein Top 2 meiner Kennzeichenwunschliste werden. Urlaub mit der TUI, oder auch ETUI. Paßt irgendwie. Einer meiner ersten Flüge unter D-Registrierung erfolgte mit einer Reihe von Hartenholmern und deren Oldtimern nach Endelave/Dänemark. Neben Vejrø eine der schönsten Inseln Dänemarks.

Endelave / Danmark

Leider konnte Hänschen nicht mehr bei uns sein, er war nach langer schwerer Krankheit verstorben. Ein weiteres Flugzeug fehlte, die Stinson Gullwing von Werner und Andreas, die gerade von den beiden überholt wurde. Überhaupt hatte sich Hartenholm dank Michael zu einem Oldtimerzentrum gemausert. Zeitweilig waren drei Stearman, eine Staggerwing, eine Waco, die eben erwähnte Stinson Gullwing, Hänschens J3, meine Aeronca und nicht zu vergessen die Beech 18 stationiert. Über die Beech 18 folgt demnächst eine andere Geschichte auf einer extra Seite ! Von ungefähr diesem Zeitpunkt an ging es mit dem Flugplatz in Hartenholm, ausgelößt durch das Mißmanagement einer einzelnen Person, rapide bergab. Nachdem wir alle dachten es könne nicht weiter berab gehen, folgte der Verkauf an eine umstrittene iranische Invesorengruppe. Für mich als Angestellter der Nordair Grund sofort nach Beendigung meines Ausbildungsverhältnisses nach einer neuen fliegerischen und beruflichen Heimat umzusehen. Diese war Lübeck. Wer heute in Hartenholm landet wird sehen was aus dem einst so blühendem Platz geworden ist. Nach meiner Ausbildung fing ich bei der neu gegründeten Firma Aviatec als erster Mitarbeiter im Bereich Zelle / Triebwerk an. Ein voller Erfolg. Manche sagen wir seien zu schnell gewachsen. Stimmt. Doch war dies nicht auch Anerkennung für die Arbeit die geleistet wurde? Wer wächst ohne vorherigen Erfolg? Auch Michael folgte gen EDHL. Er hatte mit Hartenholm ein Stück seines Lebens verloren. In Lübeck traf ich dann auch bald eine alte Bekannte wieder. Die Stearman, die mit der meine Aeronca gekommen war. Wir hatten den Auftrag den Flieger zu bergen und später dann auch “geradezubiegen”. Ansich nichts ungewöhnliches.

 

Ich hatte zwar schon viele Stearman zusammengebaut, doch eine Kombination von Auto und Flieger zu demontieren war auch für mich etwas neues. Andererseits ließ sich der Flieger wenigstens auf dem Platz noch bewegen. Werner hatte das Auto des Platzwartes bei der (Steck)Landung übersehen. Dieser ebnete gerade Maulwurfshügen ein und war zum Glück nicht im Wagen. Werner verletzte sich beim Verlassen des Flugzeuges und brach sich ein Fuß. Shit happens.......